Warum wir den Internationalen Männertag brauchen

von Sebastian Milpetz

„Wieso gibt es einen Frauentag? Dann muss es auch einen Männertag geben!“ Solche polemischen, historisch unreflektierten Reaktionen von manchen Männern auf den seit über hundert Jahren etablierten Weltfrauentag (8.März) kennt man seit Jahrzehnten, genauso wie die Antwort von feministisch informierter Seite: „Jeder Tag ist ein Männertag“.

 

Genau wegen dieses Missverständnisses ist es wichtig, dass seit der Jahrtausendwende auch Männertage begangen werden. Seit seinem Ursprung in Trinidad und Tobago im Jahr 1999 wird in vielen Ländern (nicht in Deutschland …) am 19. November der Internationale Männertag begangen, der z.B. positive männliche Vorbilder feiern, den Beitrag von Männern in der Gesellschaft würdigen, und auf Männergesundheit und die Diskriminierung von Männern aufmerksam machen soll. Und der erklärtermaßen das Verhältnis zwischen Männern und Frauen verbessern soll.

 

Es blieb nicht bei einem Gedenktag für die Männer. 2000 zog der sogenannte Weltmännertag nach, der an jedem 3. November gefeiert und sich stärker auf gesundheitliche Themen fokussiert. Also für das sensibilisiert, was man mittlerweile landläufig toxische Männlichkeit nennt, die offenbar immer noch weitverbreitete autodestruktive Tendenz vieler Männer nach dem Motto „Männer weinen nicht“, die dazu führt dass Mann nicht gerne zum Arzt geht und psychische Probleme mit Alkohol selbst therapiert. 

Männerrechtlern nicht den Diskurs überlassen

Aber warum braucht es denn nun einen Männertag? Spielt er nicht den aggressiv auftretenden Männerrechtlern  in die Karten, die das männliche Geschlecht zum heute diskriminierten stilisieren? Und verschleiert er nicht die von FeminstInnen zurecht ins Spiel gebrachte Tatsache, dass über Jahrhunderte männliche Geschichte (und vor allem Geschichtsschreibung) mit der allgemeinmenschlichen Geschichte deckungsgleich war? Ein historisches Faktum, auf das die Etablierung des Weltfrauentages reagierte. 

 

Wir brauchen einen internationalen Männertag,  gerade um auf diese historisch gewachsene Unwucht zwischen den Geschlechtern aufmerksam zu machen. Um bewusst zu machen, dass das Männliche eben nicht mit dem Allgemeinmenschlichen zusammenfällt. Um auf noch verbliebene Unterschiede auf dem Weg zu größerer Geschlechtergleichheit hinzuweisen. Um den Diskurs nicht spaltenden Gruppen zu überlassen. 

 

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